Es ist ja schön, dass ARD und ZDF die Spiele der deutschen Eishockey Nationalmannschaft nahezu in voller Länge live übertragen hat. Aber diese Spiele waren nur ohne Ton zu ertragen. Denn was die Kommentatoren - Tom Scheunemann (ARD) und Günther-Peter Ploog (ZDF) - da teilweise sagten, das ging ja mal überhaupt nicht.
Unser eisbaerlin-Teammitglied "Jillson" hatte ja schon ein Kommentar zum Herrn Scheunemann nach dem Spiel der Deutschen gegen die Schweden geschrieben:
"Ich war auch sehr zufrieden mit dem Spiel unserer Mannen, aber nicht zufrieden mit dem Herrn Scheunemann der das Spiel kommentierte. Was der für einen Sch..... zusammengelabert hat, das ging ja auf keine Kuhhaut, so sprach er z. B. vom Powerplay der Schweden, obwohl beide Mannschaften vollzählig waren oder so ein schnelles Spiel hätte Felle noch nicht erlebt usw. Dann doch lieber Eishockey auf Sky, als solchen Kommentatoren im Free TV."
Das waren schon teilweise Sprüche, bei denen man als Eishockeyfan nur mit dem Kopf schütteln kann.
Aber was der Herr Ploog heute beim Spiel Deutschland gegen Weißrussland zusammen kommentiert hat, war einfach nur schrecklich. Zu Spielbeginn meinte er noch, dass das DEB-Team heute auf einen Gegner trifft, der auf Augenhöhe mit uns (Deutschland) ist. Nach der Schlusssirene waren die Weißrussen auf einmal eine klasse besser als das DEB-Team. Der scheint seine Meinung auch von Minute zu Minute zu ändern. Gut war auch sein Gemeckere gegen Michael Bakos gewesen. Ja, er hat das erste Tor verschuldet und auch beim zweiten Tor sah er nicht gerade glücklich aus. Aber muss man dass dann das ganze Spiel über gefühlte 1000-mal wiederholen?
Dann haben die Deutschen heute seiner Meinung nach ein schlechtes Spiel abgeliefert und stehen auf Platz 11 - da wo sie mit der Leistung auch hingehören. Hallo? Das war heute mit Sicherheit kein schlechtes Spiel der DEB-Jungs. Sie haben sich zahlreiche Chancen herausgespielt, sind aber halt immer wieder am weißrussischen Torwart gescheitert. Nur weil sie verlieren, spielen sie doch nicht gleich schlecht.
Dass der Herr Ploog die Deutsche Eishockey Liga (DEL) überhaupt nicht mag, hat er auch oft genug verlauten lassen. Es ging um die Reihenzusammensetzung im deutschen Team. Die erste Reihe besteht komplett aus NHL-Spielern, die anderen aus DEL-Spielern. Da meinte er, die erste Reihe kann hier noch einigermaßen mit dem Tempo mithalten. Die DEL-Spieler nicht, denn in der DEL spielt man in Zeitlupe. Hat der überhaupt schon einmal ein DEL-Spiel gesehen? Dass die dort nicht so ein schnelles Tempo haben, wie in der NHL, ist ja wohl allen klar. Aber auch in der DEL gibt es sehr viele Spiele, die vom Tempo her schnell sind - vor allem in den Play-Offs.
Weiterhin meinte er, die ausländischen Spieler in der DEL sind nur Zweit- bzw. Drittklassig. Viele von ihnen seien nur Mitläufer, daher sind natürlich auch viele deutsche Spieler Mitläufer. Klar gibt es viele Ausländer, die nicht so gut sind. Aber es gibt auch jede Menge Ausländer in der DEL, die sehr gut Eishockey spielen können. Und viele versuchen sich über die DEL, noch einmal für die NHL zu empfehlen.
Klar ist die DEL keine Top-Liga im Vergleich zu anderen großen Ligen. Aber sie ist nun auch nicht so schlecht wie man sie darstellt. Und dass es in der DEL keine gute Nachwuchsarbeit gibt, wie der Herr Ploog meint, glaubt er ja wohl selber nicht. Sicher haben nicht alle Teams eine solch gute Nachwuchsarbeit wie die Eisbären oder Mannheim, aber es gibt trotzdem Nachwuchsarbeit.
Und wenn die deutschen Spieler so schlecht sein sollen, wieso setzen dann z.B. Augsburg und Iserlohn auf ein rein deutsches Torhütergespann. Es ist nicht alles schlecht in der DEL. Das sie vielleicht nicht so reizvoll ist, wie andere europäische Ligen, liegen mit Sicherheit auch an dem Punkt, dass es z.B. kein Auf- bzw. Abstieg mehr gibt. Da fehlt ein Anreiz, der in anderen Ligen wieder gegeben ist.
Zum Ende brachte er dann das Fass zum Überlaufen. Er sprach davon, dass Eishockey eine Randsportart sei, die nur regional noch Interesse findet. Da blutet sein Herz als eingefleischter Eishockey-Fan. Ich lach mich schlapp. Wenn der Eishockey-Fan sein soll, dann scheint der von der Sportart mal überhaupt keine Ahnung zu haben.
Warum verkommt denn der Eishockeysport immer mehr zur Randsportart. Doch wohl nicht wegen des fehlenden Erfolges der Nationalmannschaft oder der - seiner Meinung nach - schlechten Deutschen Eishockey Liga. Vielmehr liegt es doch daran, dass Eishockey in der Öffentlichkeit keine Wahrnehmung erhält. Dieser Sport wird doch nirgendwo gezeigt außer im Pay-TV. ARD und ZDF reden doch meist nur über Eishockey, wenn es mal eine Schlägerei gab oder es sonst irgendetwas negatives zu berichten gibt. Vielmehr wird doch nicht gezeigt. Und wenn sie jetzt doch mal Spiele live übertragen, wird alles nur schlecht geredet. Dass Eishockey aber in der Zuschauergunst die Nummer Zwei hinter "König Fußball" ist, scheint denen egal zu sein. Lieber übertragen sie andere Sportarten wie Handball oder Basketball - die sicherlich auch sehr interessant sind - für die aber anscheinend keine Randsportart sind.
Daher verstehe ich es nicht, wie ein Herr Ploog sagen kann, ihm blutet sein Herz, wenn er die Deutschen so schlecht spielen sieht. Vielmehr dürfen wir Fans sagen, uns blutet das Herz, bei dem was dieser Mann von sich gibt. Das hat mir den ganzen Morgen heute versaut.
Um noch einmal auf Eishockey im Free-TV zurückzukommen. Da lobe ich mir z.B DSF, welches jedes Wochenende ein 30-minütiges Magazin von der 2 Eishockey-Bundesliga (!) zeigt. Da kommt wenigstens 30 Minuten in einer Woche etwas über diese Randsportart.
7 Kommentare:
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